| In der Öffentlichkeit werden seit einigen Jahren vermehrt die Möglichkeiten und Grenzen der Abwehr von
Hochwassergefahren und der Beherrschung von Hochwasserschäden diskutiert. Insbesondere die Szenarien
wahrscheinlicher Klimaentwicklungen, die eher ein Ansteigen der Hochwassergefahren erwarten
lassen, unterstreichen die Bedeutung der öffentlichen Wahrnehmung von Hochwasserrisiken.
Neben den Risiken von Hochwasser entlang großer und mittlerer Gewässerläufe sind gerade auch für Städte
und Gemeinden die Risiken aus Sturzfluten infolge von örtlich eng begrenzten, extremen Niederschlagsereignissen
nicht zu unterschätzen, die ab einer bestimmten Dimension technisch nicht beherrscht werden
können. Nach den langjährigen Erfahrungen der Deutschen Versicherer resultieren mehr als die Hälfte der
regulierten Schäden aus derartigen, lokal begrenzten Extremereignissen.
Unter den Fachleuten besteht Einvernehmen, dass neben dem Ausbau technischer Schutzbauten allen
geeigneten Strategien der ergänzenden Hochwasservorsorge durch Kontrolle und Minderung von Schadenspotenzialen
eine immer größere Bedeutung zukommt. In diesem fachlichen Konsens hat die Deutsche Vereinigung
für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (DWA) das Projekt von vereinheitlichten Audits zur
Hochwasservorsorge in Angriff genommen mit dem Ziel, für konkrete Räume den Status der ergänzenden
nicht-baulichen Hochwasservorsorge analysierend zu bewerten und damit den Beteiligten die Möglichkeit
zu geben, sich über den eigenen Status Rechenschaft abzulegen und daraus gegebenenfalls Entscheidungen
zur Verbesserung der Hochwasservorsorge abzuleiten.
Audits, wie sie in dem nun vorgelegten Merkblatt DWA-M 551 vorgeschlagen werden, zielen auf die freiwillige
Mitwirkung der Akteure ab. Die Initiative lebt von der Unterstützung und Erfahrung aller Mitwirkenden,
den Auditoren, den Entscheidungsträgern und den von Hochwasser tatsächlich oder potenziell Betroffenen
selbst. Insofern wird mit diesem Merkblatt ein Prozess angestoßen, der sich in der praktischen Auseinandersetzung
mit den Chancen und den Grenzen von Hochwasservorsorge laufend selbst erneuert. |